reflections

"Meine Damen und Herren..."

Hallo und herzlich willkommen, liebe Leute.

Wie bin Natti, werde in kürze 22 Jahre alt und bin fast mit meinem Studium fertig. In diesem ersten Blogpost möchte ich euch erstmal ein bisschen über meine Geschichte erzählen.

Ich lege einfach mal direkt los. Wem es zwischendurch zu langweilig wird, der kann unten weiter lesen, aber dann verpasst ihr meine höchst interessante und aufregende (nicht!) Kindheit und Jugend. (Ich markiere, ab wann ihr weiter lesen könnt.)
Also, mein Papa ist Engländer und meine Mama Deutsche ... also vermutlich. Leider kennt sie nur ihre Mama. Ihr leiblicher Vater hat sich verpisst, als sie noch ganz jung war. Interessanter Weise möchte niemand in der Familie über ihn, oder den Grund dafür sprechen, weswegen sie selber keinen blassen Schimmer hat, um was für einen Menschen es sich dabei handelt. Meine Eltern haben geheiratet, als sie sich noch nicht so lange kannten. Eigentlich abzusehen, dass das nicht lange gut geht... Ich hatte eine schöne Kindheit, bin mit meinen Eltern in den Urlaub an die See und nach England gefahren, habe immer viel mit ihnen unternommen, hatte viele Freunde und ganz viel Spaß im Kindergarten. Als ich 6 Jahre alt war, bekam ich einen kleinen Bruder, für den ich Feuer und Flamme war. Wie es sich für eine glückliche, kleine Familie gehört, ging es auch schnell in die Planung eines Hauskaufs.

Aus der Planung wurde viel schneller Ernst, als erwartet und so zogen wir bald in unser, gemeinsam mit guten Bekannten gekauftes Haus. Hier fing das Drama an: Finanzielle Sorgen, meine Pubertät und der Streit zwischen meinen Eltern. Jeden Tag, Abends, wenn mein Papa von der Arbeit kam. Er kam in mein Zimmer um mir "Hallo" zu sagen und zu fragen, wie mein Tag war, setzte sich danach ins Wohnzimmer und dann ging es los. Oftmals ging es um mich. Ich war kein einfacher Teenie. Ich hab mein Zimmer nicht aufgeräumt, habe nicht auf meine Mama gehört, hatte keine Lust im Haushalt zu helfen, war faul in der Schule und rebellierte auch was meinen Stil betraf. Schwarz, pink und krasse Haare. So musste das sein. Der ganze Stress führte dazu, wozu er nunmal führen musste. Mama und Papa liesen sich scheiden.

Ich werde nie diesen Tag vergessen, an dem meine Mama es mir gesagt hat. Ich saß in meinem Zimmer und habe geweint, weil ich soeben diese Info bekommen hatte. Mein Papa kam nach Hause und maschierte wie jeden Tag direkt in mein Zimmer, um mich zu begrüßen. Als er mich fragte, was denn los sei und ich ihm erklärte, dass ich wüsste was Sache sei, brach er weinend vor mir zusammen. Das war das erste und soweit ich weiß bisher einzige Mal, dass ich meinen Papa so sehr hab weinen sehen und der Gedanke daran bricht mir noch heute das Herz.

 Aus der Trennung resultierte nun, dass wir das Haus nicht weiter abbezahlen konnten, also: ein weiterer Umzug, Zwangsversteigerung, Privatinsolvenz, ... Wow. Irgendwann trat dann ein neuer Mann in das Leben meiner Mama. Ich war nicht begeistert, schließlich gehörten für mich immernoch Mama und Papa zusammen. Aber mir blieb ja nichts anderes übrig, als es hinzunehmen. Nach gerade mal einem Jahr wollte Mama mit ihm zusammen ziehen. Gefragt wurden mein Bruder und ich da nicht. Wobei, doch. Wir wurden gefragt, aber unsere Meinung zählte trotzdem nicht. Eltern halt...... Also wurde wieder einmal umgezogen (in das bis dahin 6. Haus in meinem Leben). Aber auch hier fing schnell der Ärger an. Ein Mann, der sich aufführte, als wäre er der eigene Papa und nebenbei dem Alkohol auch nicht abgeneigt war, zwei Stiefgeschwister, die auf einem ganz hohen Niveau integrant und abgehoben waren und mittendrin mein Bruder und ich, die eigentlich eh keine Lust auf den ganzen Mist hatten. Eines Tages hörte ich wieder einen schlimmen Streit, in dem der Freund meiner Mama sie ganz arg anschrie und beleidigte. Ich also runter gestapft und ihm gesagt, dass er ein ganz großes Problem mit mir bekommen würde, wenn er weiter so mit meiner Mutter umgeht. Er drohte mir dann an mir "aufs Maul" zu hauen und brüllte das ganze Dorf zusammen, wie ein Irrer, sodass meine Mutter (endlich!) einen Schlussstrich zog.

Zu diesem Zeitpunkt war ich allerding schon zum Studium in eine WG gezogen und nur noch an den Wochenenden und Semesterferien zuhause. Ja, die Sache mit den WGs..... zuerst zog ich mit einer lieben Freundin zusammen, wo mir persönlich jedoch von vorn herein klar war, dass das, aufgrund der Entfernung zur Uni, keine Dauerlösung sein würde. Die zweite WG war mit zwei männlichen Sportstudenten zusammen. Soweit (erstmal) so gut. Irgendwann war ich dort aber nur noch Putzfrau, musste mir wüste Beschimpfungen oder Lästereien im Flur anhören, als die "Sportbitches" (wie meine Freund und ich sie liebevoll nennen) bei meinen Mitbewohnern zu besuch waren. Klar, sie waren schlank, schön,... und ich... ich war an der oberen Grenze des Normalgewichts und für Sportstudenten das kleine, hässliche und vorallem dicke Entlein. Hier begannen meine psychischen Probleme... Also, der nächste Umzug in eine WG mit einem Mädchen meines Alters. Die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können. 

(Ab hier wird es wieder spannender!)
Trotzdem waren die Probleme tief in mir nun da und ließen sich auch nicht mehr einfach beiseite schieben. Ich begann zunächst gesünder zu essen. Viel Gemüse und Obst, Hähnchen und Pute. Ich wollte, dass meine ehemaligen Mitbewohner sehen, dass sie nicht im Recht waren... dass auch ich schlank und schön sein kann. Durch den Tipp einer Freundin fing ich dann an abends nichts mehr zu essen. Um 16 Uhr aß ich Mittag und natürlich ab und an mal etwas Süßes. Als sich die ersten Erfolge zeigten, war ich überglücklich und wollte mehr und mehr. Also wurde die Zeit des Mittagessens immer weiter nach vorn geschoben. 15 Uhr, dann 14 Uhr, 13 Uhr und ab und zu (wenn es Mensaessen gab) auch mal 12 Uhr. Danach bekommt der Körper vielleicht im schlimmsten Hungerfall mal einen Apfel oder ein paar Weintrauben. Außerdem wird ausschließlich Wasser getrunken. Um den Körper nicht vollkommen auf Sparflamme zu schalten, gibt es einmal die Woche einen Cheatday, an dem alles wahllos in mich rein gestopft wird. Sehr gesund! Mein Körper bedankt sich abends im Bett dann grundsätzlich mit schlimmen Bauchschmerzen. Zwischenzeitig wurden im übrigen auch noch L-Carnitin Tabletten bestellt, damit die Pfunde noch ein bisschen schneller purzeln konnten. In diesem Verfahren habe ich nun 15 Kilo verloren, bin untergewichtig und schon das ein oder andere Mal mit einem Kreislaufkollaps im Krankenhaus gelandet. Schön und schlank finde ich mich immernoch nicht. Dazu würden noch etwa 5 Kilo fehlen, schätze ich. Allerdings verlässt mich mein Freund, wenn ich das durchziehe. Und das wäre das schlimmste, was mir passieren könnte. Durch meine höllische Panik wieder zu zu nehmen, laufe ich aber durchaus Gefahr dahin zu kommen. Eigentlich möchte ich es nicht, aber ich kann nicht anders. Etwas blockiert mich und lässt mich innerlich zusammen brechen, wenn ich mal etwas mehr esse.

Ja und so kämpfe ich mich nebst Depressionen, Angstattacken und Schlafstörungen durch das größte Problem: meine Essstörung. Es gibt auch Momente, in denen die anderen Probleme mehr zum Vorschein kommen, aber ich würde behaupten, dass die Essstörung das größte Problem ist.

In diesem Blog möchte ich immer mal wieder erzählen, wie es mir geht, wie ich voran komme, was mir hilft, was es schlimmer macht usw. Vielleicht gibt es den ein oder andere, dem ich damit helfen kann, vielleicht lesen manche aber auch nur aus Interesse. Vielleicht hat aber auch einfach gar keiner Lust sich meine Beiträge durch zu lesen. Auch das ist in Ordnung.

 

Jetzt wars das aber erstmal.

Eure Natti.

26.6.16 15:09

Letzte Einträge: Spinnerin?

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen


Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung